Wut in Liebe verwandeln

Wir kennen sicher alle diejenigen Momente, in denen innerlich eine maßlose Wut aufschäumt.
Mal ist es der Partner, gegen den sie sich richtet. Mal sind es die Kinder. Oder auch der Chef, die Kollegin, der Nachbar … Sie alle können es fertig bringen, uns „auf die Palme“ zu jagen.
Und wer holt uns da wieder runter?

Mir geht es auch ab und zu so. Naja, durch meine Ausbildung und die Erfahrungen, die ich sowohl im Umgang mit meinen Gefühlen als auch aus der Arbeit mit Klienten habe, weiß ich, dass man sich in ein Gefühl, in diesem Fall also die Wut, hineinsteigern kann. Oder man lehnt es ab, drückt es weg. Beides ist nicht gut. Richtig ist: man beginnt dieses scheußliche Gefühl erst einmal als zu sich gehörig zuzugeben und anzunehmen.

Mir ging es vor Kurzem wieder einmal so. Meine Gedankenströme waren auf eine Person ausgerichtet, über die ich mich geärgert hatte und die nun (scheinbar) die Ursache der Wut war. Ich versuchte, das mit Verstand abzuschalten, in die kraftvolle erwachsene Haltung zu gehen … Aber all‘ diese Taktiken und Methoden, die ich auch sonst schon erfolgreich angewendet hatte, versagten diesmal.

Ich saß verzweifelt, wie ein Häufchen Unglück in meinem Sessel, die Tränen rollten und ich wusste natürlich, dass ich wie ein Kind fühlte und reagierte. Und irgend wann, nach mehreren Minuten sicherlich, gab ich den Widerstand gegen diese starken Gefühle auf. Ich hatte dabei gar nicht bemerkt, dass sich die Wut längst gewandelt hatte. Nämlich in Traurigkeit. Und nun konnte ich den Schmerz, der sich ja hinter solchen Gefühlen verbirgt, spüren und zulassen. Da kamen Bilder hoch von Situationen aus der jüngeren Vergangenheit, in denen ich diese Gefühle unterdrückt hatte. (Aus der Situation heraus einfach unterdrücken musste. Denn wie wirkt eine erwachsene Frau, die in der Öffentlichkeit wegen einer scheinbaren Lapalie zu heulen und zu wüten beginnt.)

Und es mischten sich Kindheitserinnerungen hinein. Damals hatte ich mich nicht getraut, mich so zu zeigen, wie ich eigentlich war. Ich hatte die Wut, die Scham und die unendliche Traurigkeit unterdrückt, überspielt … eingeschlossen in mir. Heute weiß ich längst, dass ich anders sein „darf“, mich zeigen „darf“, dass ich meine Interessen vertreten darf – ja, es sogar muss. Aus der Verpflichtung dem Leben gegenüber. Aus der Verpflichtung heraus, mit Demut die Größe, das Potenzial, meine wahren Schätze, all‘ die Geschenke, die das Leben bereit hält, anzunehmen und zu leben.

Sicher möchten Sie jetzt wissen, wie es weiter ging, wie ich aus der Wut, die ja nun schon Traurigkeit geworden war, wieder heraus kam. Ich habe mich an vieles erinnert, was ich gelernt und gelesen hatte. Ich begann damit, mich selbst zu umarmen und mich zu bedanken. Ganz still – tief in mir versunken. Und da kam mir etwas zuhilfe, was man vielleicht Führung oder Schicksal nennen könnte. Es ging alles ganz von selbst. Ich grübelte nicht etwa nach, was ich jetzt tun oder denken sollte, sondern die Bilder in meinem Inneren waren da, reihten sich in logischer(?) und ungezwungener Reihenfolge aneinander. Ergaben einen tiefen Sinn und ich fühlte große Dankbarkeit und Liebe – und zwar aus tiefstem Herzen heraus.

Wer schon einmal diese Gefühle wahrnehmen konnte weiß, dass das nicht mit dem „gedachten“ Dank zu vergleichen ist. Und ein gesagtes „ich liebe dich“, mag es auch noch so ehrlich gemeint sein, ist nicht zu vergleichen mit dieser inneren Haltung der Liebe, die sich aus solchen durchlebten Gefühlen und inneren Szenarien ergibt.

Als ich die Augen wieder aufschlug, erschreckte ich mich, wie viel Zeit vergangen war. Ich war in eine tiefe Trance gefallen. Und in diesem Zustand ist man eben ohne Zeitgefühl. Aber ich hatte nichts verpasst. Im Gegenteil, ich hatte sehr viel bekommen. Bis zu meinem nächsten Termin war noch ausreichend Zeit, um mir dieser neuen Kraft und dieser inneren Ruhe, die ich nun wieder fühlte, bewusst zu werden. Ich kannte diese Energie schon und dieses tiefe Gefühl der Zufriedenheit, das Gefühl richtig und am rechten Platz zu sein. Es ist diese ureigene Lebenskraft, in der sehr viel Klarheit, Liebe und Stärke steckt.

Und die eingangs gestellte Frage mit der Palme: letztendlich habe ich mich selbst aus der misslichen Lage befreit. Indem ich mich angenommen habe, konnte ich auch meine Wut annehmen, meine Traurigkeit dahinter spüren und bin auf diese Weise zur Liebe gekommen. Die zuallererst mir galt. Und genau das ist dieser gesunde heilsame Egoismus.

Ich habe ganz automatisch die rituellen Gedanken- und Gefühlsgänge vollzogen, die ich auch in meiner Arbeit anwende. Sonst leite ich die Klienten an und führe sie in der Trance durch diese Schritte der inneren Aussöhnung. Diesmal habe ich mich (wieder einmal) selbst ein Stück weit geheilt. – Danke –

Autor: Monika

Ausbildung in technischer Fachrichtung, langjährige Tätigkeit im Bereich Betriebswirtschaft; zuletzt Projektmanagement; verheiratet, 2 erwachsene Töchter; 3 Enkelkinder; Hypnose- und systemische Ausbildung seit 2006 am Institut für Klinische Hypnose in Zug/Schweiz; Hypnose-Praxis seit Sept.2007; angewandte Verfahren und Methoden: u.a. Timeline-Arbeit, Systemaufstellungen im Einzelsetting; Arbeitsschwerpunkte: Einzel-Sitzungen; 3-tägiges hypno-systemisches Intensiv-Einzel-Coaching; themenspezifisches Hypnose-Coaching z.B. bei Phobien, Stressabbau; lösungsorientiertes Arbeiten bei persönlichen Problemen (Paarbeziehung, Familie, Beruf); http://www.monika-niebisch.de

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Monika Niebisch, Hypnose - Familienstellen - Beratung - Coaching, 06886 Lutherstadt Wittenberg